wider das vergessen – gedenkveranstaltung zum tag der bücherverbrennung in greifswald

“Wir deutschen Studenten der Universität Greifswald rufen hiermit die Volksgenossen unserer Universität auf zur tätigen Mitarbeit an unserer großen Aufgabe. Reinigt eure Bücherbretter von diesen Feinden deutschen Geistes! Bringts sie uns in unser Studentenhaus. Wir wollen am 10. Mai in einer öffentlichen Kundgebung ‘Wider den undeutschen Geist’ eine symbolische Verbrennung dieser Bücher auf dem Markt vornehmen. Beteiligt euch an dieser Aktion zum Zeichen der Verbundenheit der Volksgemeinschaft. Auch an die Greifswalder Buchandlungen und Büchereien ergeht unser Ruf.” (In: Greifswalder Universitätszeitung, 10. Mai 1933, S. 32)

„wider den undeutschen geist“ – unter dem diesem motto rief in einem rundschreiben der „ns-studentenbund“ am 06. mai 1933 alle reichsdeutschen student_innen auf, bücher und schriften, die nicht in das nationalsozialistische weltbild paßten zu brennen. am 10. mai zündelten dann nicht nur in greifswald die nazis: werke von über 500 autor_innen wurden dem feuer übergeben. es wurden werke und manuskripte vernichtet – es wurde die erinnerung und das schaffen vieler schriftsteller_innen zerstört. der greifswalder markt muß an diesem tage dem fegerfeuer geglichen haben, aus dem nazis einst emporstiegen sind: nazis, burschenschaftler und ganz normale student_innen geben weniger minuten das dem feuer hin, wofür die author_innen mehr als ihr herzblut gaben. für viele unter den 500 bedeutete dieser tag nicht nur die vernichtung ihrer werke, sondern oft auch des eigenen lebens …

75 jahre später – 10. mai 2008

das greifswalder koeppenhaus lud dazu ein, dieser bararischen tat zu gedenken und mit kreide die namen der verfemten künstler_innen auf die straße zuschreiben. über 30 personen beteiligten sich an der stillen möglichkeit des gedenkens. die greifswalder fußgänger_innenzone glich einem meer aus namen. an manchen ecken lasen teilnehmer_innen aus werken, die verbrannt wurden.

die schrift und das schreiben, als einen akt der absoluten individualität zu betrachten, ermöglich so, den opfern der nationalsozialistischen barbarei ein stück weit einen teil ihrer würde zurück zu geben und sie aus dem vergessen zu holen. das verbrennen von büchern ist zwar seit je her unverständlicher weise ein mittel der machtkonsolidierung gewesen und endete in dem unvorstellbaren akt – der shoa.

kein vergeben – kein vergessen.





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